Medizin & Forschung allgemein
Suizidzahlen in Deutschland 2025 deutlich gestiegen
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Nach der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes nahmen sich 2025 in Deutschland 11.334 Menschen das Leben, 962 mehr als im Vorjahr; das entspricht einem Anstieg von 9,27 Prozent. Die Zahl der Suizidversuche wird auf deutlich mehr als 100.000 geschätzt, mehr als 68.000 Menschen verloren im vergangenen Jahr einen nahestehenden Menschen durch Suizid. Nach jahrzehntelangem Rückgang steigen die Zahlen seit 2021 wieder, innerhalb von vier Jahren um rund 23 Prozent. Besonders stark stieg bei Frauen die Zahl der Todesfälle durch Selbstvergiftung mit Arzneimitteln und anderen Substanzen, von 1.073 im Jahr 2024 auf 1.593 im Jahr 2025. Drei Suizidhilfeorganisationen meldeten 1.287 begleitete Suizide, nach 977 im Vorjahr; die Daten lassen nach Einschätzung des Nationalen Suizidpräventionsprogramms und der Deutschen Akademie für Suizidprävention vermuten, dass die zunehmende Suizidassistenz zum Anstieg beiträgt, assistierte Suizide werden in der Statistik aber nicht gesondert ausgewiesen. Beide Organisationen fordern mehr finanzielle Unterstützung der Politik für die Suizidprävention und eine bundesweit einheitliche, unabhängige Erfassung assistierter Suizide.
Krankenhäuser behandelten 2025 rund 17,7 Millionen Patienten vollstationär
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 17,7 Millionen Menschen vollstationär in einem Krankenhaus behandelt, 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahlen liegen weiter deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau, zwischen 2014 und 2019 waren es jedes Jahr mehr als 19 Millionen. Ein Krankenhausaufenthalt dauerte 2025 im Schnitt 7,0 Tage, 0,1 Tage weniger als im Vorjahr; 1991 waren es noch 14,0 Tage. Die Zahl der Betten sank um knapp ein Prozent auf 468.803, die Auslastung stieg um 0,6 Punkte auf 72,6 Prozent. Zum Jahresende 2025 arbeiteten in den 1.807 Krankenhäusern 221.800 Personen im ärztlichen Dienst, 1,9 Prozent mehr, und 1,27 Millionen im nicht ärztlichen Dienst, 2,5 Prozent mehr.
Giredestrant verbessert bei fortgeschrittenem Brustkrebs das progressionsfreie Überleben
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
In einer Phase-3-Studie hat der orale selektive Östrogenrezeptor-Degrader Giredestrant in Kombination mit Everolimus das progressionsfreie Überleben bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem ER-positivem Mammakarzinom verbessert. Die Studie schloss auch Patientinnen ein, bei denen eine konventionelle Hormontherapie nicht mehr ausreichend wirkte. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Zusammen mit einer Phase-3-Studie bei frühem Brustkrebs bilden sie die Grundlage für einen Zulassungsantrag, eine Zulassung in den USA wird noch in diesem Jahr erwartet.
Lifileucel mit Pembrolizumab wirkt bei fortgeschrittenem Melanom
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
In der Studie IOV-COM-202 war eine einzelne Infusion mit Lifileucel in Kombination mit mehreren Dosen Pembrolizumab beim fortgeschrittenen Melanom wirksam, bei Patienten, die noch keine Checkpoint-Inhibitoren erhalten hatten. Knapp zwei Drittel der Erkrankten sprachen an, davon rund ein Drittel vollständig. Andrew Furness vom Royal Marsden Hospital in London stellte die Daten auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid vor (Abstract 2072O).
Antikörper-Wirkstoff-Konjugat könnte Erstlinientherapie bei HER2-mutiertem Lungenkrebs verbessern
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Menschen mit nicht vorbehandeltem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit HER2-Genmutationen scheinen von einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) stärker zu profitieren als vom derzeitigen Erstlinienstandard. Dieser besteht aus einem Immuncheckpoint-Inhibitor in Kombination mit einer Chemotherapie. Die Verträglichkeit des ADC war teilweise sogar besser als die der Standardtherapie. Das berichtete die ESMO-Tagung in Madrid (Abstract LBA74).
Gentherapie senkt bei Wiskott-Aldrich-Syndrom schwere Infektionen und Blutungen
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Eine einmalige autologe Gentherapie mit Etuvetidigene Autotemcel verringerte bei Patienten mit Wiskott-Aldrich-Syndrom die Häufigkeit schwerer Infektionen sowie moderater und schwerer Blutungen deutlich. Das zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2026). Das Wiskott-Aldrich-Syndrom ist eine seltene, X-chromosomal vererbte Erkrankung des Immunsystems und der Blutplättchen, ausgelöst durch Varianten im WAS-Gen. Dafür werden blutbildende Stamm- und Vorläuferzellen außerhalb des Körpers mit einem viralen Vektor verändert, der eine komplementäre DNA des WAS-Gens trägt.
Evidenz für Fluoxetin bei depressiven Kindern wird infrage gestellt
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Viele Leitlinien nennen den SSRI Fluoxetin als mögliche Option für Kinder und Jugendliche mit Depressionen. Eine Analyse in Cochrane Evidence Synthesis and Methods stellt diese Empfehlungen infrage. Eine Gruppe um Martin Plöderl von der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Salzburg fand, dass eine einzelne, fragwürdige Studie aus dem Iran mit 40 Kindern und Jugendlichen dafür sorgt, dass Fluoxetin in zwei vielzitierten Metaanalysen gut abschneidet. Ohne diese Studie gebe es keine ausreichende Evidenz mehr für eine ausgeprägte Wirkung.
Nach Cannabis-Legalisierung in den USA mehr Klinikaufenthalte wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Nach der Legalisierung von Cannabis ist es in den USA zu einem Anstieg von Krankenhausbehandlungen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gekommen. Das ergab eine Differenz-von-Differenzen-Analyse, also ein Vergleich vor und nach der Legalisierung, deren Ergebnisse in BMJ Open (2026) veröffentlicht wurden. Das im Cannabis in hoher Konzentration enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) aktiviert laut Artikel das sympathische Nervensystem und hemmt das parasympathische System, wodurch Herzfrequenz, Sauerstoffbedarf des Herzmuskels und Blutdruck steigen.
Internationales Expertenkonsortium fordert, den Klimawandel als globalen Gesundheitsnotstand anzuerkennen
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Ein internationales Konsortium fordert im zehnten Indikatorenbericht des Lancet Countdown on Health and Climate Change, den Klimawandel zum globalen Gesundheitsnotstand zu erklären und politische sowie finanzielle Entscheidungen darauf auszurichten. Der Bericht (Lancet 2026) kommt zu dem Ergebnis, dass viele gesundheitliche Risiken und Schäden durch den Klimawandel in den Jahren 2016 bis 2025, also seit dem Inkrafttreten des Pariser Abkommens, schneller zugenommen haben als im Jahrzehnt davor.
Fettleber: Normalgewichtige haben laut Kohortenstudie ähnliches Risiko für klinische Ereignisse wie Übergewichtige
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Menschen mit normalem Körpergewicht und einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) haben weniger metabolische Begleiterkrankungen und eine weniger ausgeprägte Leberveränderung im Gewebe als übergewichtige oder adipöse Betroffene. Mortalität und das Risiko für klinische Ereignisse unterscheiden sich nach einer multinationalen Kohortenstudie in JAMA (2026) jedoch nicht signifikant.
Blutproteine könnten die Wirkung des Alzheimer-Antikörpers Lecanemab anzeigen
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Behandlung mit dem Antikörper Lecanemab führt zu Veränderungen in zahlreichen Plasmaproteinen, wie eine Studie in Lancet Neurology (2026) zeigt. Dies könnte eine Überwachung des Therapieerfolgs ermöglichen. Lecanemab und Donanemab erzeugen im Gehirn eine Immunreaktion, die zur Entfernung der Beta-Amyloide führt, einem wesentlichen histopathologischen Kennzeichen des Morbus Alzheimer. Die Bestandteile der Plaques werden anschließend mit dem Blut abtransportiert.
Weniger als 42 Minuten helles Tageslicht am Tag gehen mit höherem Demenzrisiko einher
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Für eine Studie in General Psychiatry wurden Daten von 87.577 Erwachsenen ausgewertet, die am Handgelenk Beschleunigungssensoren trugen; die mediane Nachbeobachtung betrug 8,1 Jahre, in dieser Zeit erkrankten 741 Teilnehmende an Demenz. Wer im Tagesmittel mehr als 1.000 Lux Tageslicht hatte, also etwa so viel wie an einem bedeckten Tag im Freien, hatte ein um 16 Prozent geringeres Demenzrisiko; bei mindestens 5.000 Lux sanken die Risiken weiter. Wer täglich weniger als 0,7 Stunden (42 Minuten) hellem Tageslicht ausgesetzt war, hatte ein stärkeres Risiko als durch sechs etablierte Demenz-Risikofaktoren. Für nächtliche Lichtexposition fand sich kein signifikanter Zusammenhang mit dem Demenzrisiko. Die Autoren betonen, dass die Studie einen Zusammenhang zeigt; dass mehr Tageslicht Demenz verhindert, ist damit nicht belegt.
Viel kalorienarmes Süßen geht in einer Studie mit schnellerem Rückgang von Gedächtnis und Denkleistung einher
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Eine Studie in Neurology, dem Journal der American Academy of Neurology, untersuchte sieben kalorienarme oder kalorienfreie Süßungsmittel, darunter Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Xylit, Sorbit und Tagatose. Ausgewertet wurden Daten von 12.772 Erwachsenen in Brasilien, die bei Studienbeginn im Mittel 52 Jahre alt waren und rund acht Jahre begleitet wurden. Die Teilnehmenden mit dem höchsten Konsum (im Mittel 191 mg pro Tag) bauten bei Gedächtnis und Denkleistung 62 Prozent schneller ab als jene mit dem geringsten Konsum (20 mg pro Tag), was etwa 1,6 zusätzlichen Jahren kognitiver Alterung entspricht; in der mittleren Verbrauchsgruppe waren es 35 Prozent. Der Zusammenhang zeigte sich bei Menschen unter 60 Jahren und bei Menschen mit Diabetes stärker; bei über 60-Jährigen fand sich kein vergleichbarer Zusammenhang. Die Forschenden betonen, dass es sich um einen Zusammenhang handelt und nicht um einen nachgewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
E-Zigaretten helfen langjährigen Rauchern auch ohne Beratung beim Rauchstopp
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
E-Zigaretten können langjährigen Rauchern den Verzicht auf Tabakzigaretten erleichtern, auch wenn sie keine begleitende psychologische Unterstützung erhalten, wie Ergebnisse in NEJM Evidence (2026) zeigen. Eine randomisierte Studie ergab zugleich, dass die in Großbritannien angebotenen telefonischen Beratungen die Abstinenzrate deutlich erhöhten. Der britische National Health Service bietet Rauchern, die aufhören wollen, persönliche Beratung an. Zu den Optionen gehören Nikotinersatzprodukte und Medikamente wie Vareniclin, Cytisiniclin oder Bupropion sowie ein kostenloses Starter-Kit mit E-Zigaretten.
Regelmäßiges E-Zigaretten-Vapen geht bei jungen Erwachsenen mit schlechterer Gefäßfunktion einher
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Junge Erwachsene, die regelmäßig nikotinhaltige E-Zigaretten konsumierten, hatten in einer kleinen Querschnittsstudie eine schlechtere Gefäßfunktion und eine geringere kardiorespiratorische Fitness als Gleichaltrige, die weder rauchten noch vapten. Die Gefäßfunktion war ähnlich stark beeinträchtigt wie bei Rauchern, berichten Forschende der Manchester Metropolitan University in JAMA Cardiology (2026). Untersucht wurden junge Erwachsene, die nie herkömmliche Tabakzigaretten geraucht hatten. Der Konsum nikotinhaltiger E-Zigaretten nimmt in dieser Gruppe zu; das Team um Maxime Boidin sieht darin Fragen zu möglichen frühen Auswirkungen auf Herz-Kreislauf- und Atmungssystem in einer ansonsten risikoarmen Bevölkerungsgruppe.
Grippe: Krankschreibungen bei Berufstätigen erreichen 2025 einen Höchststand seit 2019
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Zahl der Grippefälle bei Berufstätigen ist in der vergangenen Saison nach einer Auswertung der Krankenkasse KKH auf einen neuen Höchststand gestiegen. 2025 gab es unter den KKH-Mitgliedern 13 grippebedingte Krankschreibungen und 93 Fehltage je 1.000 Mitglieder, 2019 waren es sieben Fälle und 61 Fehltage. Besonders betroffen waren Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung, in der Alten- und Krankenpflege und in der Kinderbetreuung. Die KKH verweist auf die Grippeschutzimpfung für Menschen mit engem Kontakt zu besonders gefährdeten Personen wie über 60-Jährigen, Schwangeren oder chronisch Kranken; eine Impfung könne auch das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Komplikationen senken.
Bis 2050 rechnet Bayern mit fast einer Million Pflegebedürftigen
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Nach einem Bericht des bayerischen Gesundheitsministeriums (STMGP) steigt die Zahl der Pflegebedürftigen im Freistaat bis Mitte des Jahrhunderts auf rund 980.000 Menschen. Ende 2023 waren es noch 631.000. Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU) sagte nach einer Kabinettssitzung, die Staatsregierung baue zukunftsfeste Pflegestrukturen auf. Über ein Förderprogramm seien von 2020 bis 2025 fast 8.900 Pflegeplätze geschaffen oder modernisiert worden, darunter mehr als 1.900 Tagespflegeplätze, rund 620 Plätze in ambulant betreuten Wohngemeinschaften und 320 Kurzzeitpflegeplätze. Dafür seien 410 Millionen Euro investiert worden. Für die häusliche Pflege und pflegende Angehörige gibt es seit 2023 ein eigenes Förderprogramm mit 18,7 Millionen Euro. Bei den Auszubildenden verzeichnet das Ministerium ein Plus: in der generalistischen Pflegeausbildung rund zehn Prozent in diesem Jahr, in der Pflegefachhelferausbildung 13 Prozent. Das Anerkennungsverfahren für Pflegekräfte aus dem Ausland sei mit einer „Fast Lane“ beschleunigt worden. Gleichzeitig fordert die Staatsregierung vom Bund zügig ein Konzept für eine Pflegereform. Gerlach verlangte, die Finanzierung der Pflegeversicherung müsse gesichert werden, ohne Beitragszahler und Steuerzahler zu überfordern und ohne Pflegebedürftige und Angehörige allein zu lassen. Die Expertenkommission der Bundesregierung soll ihre Vorschläge für eine Struktur- und Finanzreform nun rasch vorlegen.
BGH bestätigt Haftstrafe für Berliner Anästhesisten
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Der Bundesgerichtshof hat die Verurteilung eines Berliner Facharztes für Anästhesiologie wegen Körperverletzung mit Todesfolge bestätigt. Der 5. Strafsenat in Leipzig verwarf am 6. Oktober die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Berlin. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Das Landgericht hatte den damals 78-jährigen Mann im August des Vorjahres zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Patientin, eine 59-Jährige, war im April 2020 bei einem Eingriff wegen eines Rückenleidens in Vollnarkose gelegt worden, den ein Orthopäde durchführte. Sie erlitt einen Atem- und Herzstillstand, der dem Anästhesisten nicht sofort auffiel, und blieb minutenlang ohne Sauerstoffversorgung. Die Richter sahen mehrere Versäumnisse des Mediziners mit deutscher und bulgarischer Staatsangehörigkeit. Unter anderem sei die Patientin nicht über die Risiken der Vollnarkose und mögliche Alternativen aufgeklärt worden.
Tod bei Hausgeburt: Verfahren gegen zwei Hebammen eingestellt
📅 2026-10-29 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Das Amtsgericht Mühldorf am Inn hat das Verfahren gegen zwei Hebammen eingestellt, die nach dem Tod eines Neugeborenen bei einer Hausgeburt angeklagt waren. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen fahrlässige Tötung vorgeworfen. Das Gericht sah die Tatbestände für eine Verurteilung nicht als ausreichend an. Die Geburt fand im April 2021 in Taufkirchen im Landkreis Mühldorf am Inn statt. Laut Anklage hätten die Hebammen die Notfallsituation nicht erkannt und nicht angemessen reagiert, obwohl die 41-jährige Mutter in der Kreisklinik Altötting untersucht und im Arztbrief von einer Hausgeburt dringend abgeraten worden war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft überwachten sie Mutter und Kind mit ungeeigneten Methoden. Das Kind wurde tot geboren, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Laut Obduktion erstickte das Neugeborene, es sei zuvor lebensfähig gewesen. Eine Hebamme muss 10.000 Euro Geldauflage zahlen, die Hälfte an die Staatskasse, die andere Hälfte an die Kinderkrebshilfe, dazu eine 15-stündige Fortbildung zur fetalen Herzüberwachung und zum Erkennen von Notfällen. Die zweite Hebamme zahlt 2.000 Euro. Beide äußerten im Prozess Bedauern.
Hausarztzentrierte Versorgung wächst weiter
📅 2026-10-28 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) verzeichnet weiteres Wachstum. Im dritten Quartal 2026 haben sich laut Hausärzteverband rund 270.000 Menschen neu für diese Versorgungsform entschieden, ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal. In den vergangenen zwölf Monaten kamen bei den Vollversorgungsverträgen fast 800.000 Versicherte hinzu, ein Zuwachs von 9,5 Prozent. Mit den Add-on-Verträgen nehmen inzwischen knapp zwölf Millionen Versicherte bundesweit teil. Der Verband verweist auf Auswertungen, nach denen die HzV die Behandlungsqualität verbessert, besonders bei chronisch Erkrankten, und unnötige Doppeluntersuchungen vermeidet. Die Vergütung sei zudem transparenter und fairer geworden. Die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth nannte die HzV ein bundesweites Erfolgsmodell und mahnte, die Bundesregierung solle bei der geplanten Einführung eines flächendeckenden Primärversorgungssystems auf diese Strukturen setzen. Ihr Co-Vorsitzender Markus Blumenthal-Beier sagte, dort würden bereits heute Millionen Menschen versorgt. Ob die HzV in einem neuen Primärversorgungssystem bestehen bleibt, ist nach Angaben des Verbands derzeit nicht sicher.