Diabetes-News
SGLT2-Hemmer: Ketoazidose-Risiko bleibt dauerhaft erhöht
📅 2026-09-09 | 🔗 Quelle: ad-hoc-news.de
Eine große skandinavische Kohortenstudie hat das Ketoazidose-Risiko unter SGLT2-Hemmern anhand von Daten von rund 280.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus Schweden, Dänemark und Norwegen untersucht. Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 1,3 Jahren wurden 1.452 Fälle diabetischer Ketoazidose dokumentiert. Das Risiko ist den Ergebnissen zufolge unmittelbar nach Therapiebeginn am höchsten, sinkt danach aber nicht wieder auf das Ausgangsniveau, sondern bleibt dauerhaft erhöht. Als häufigster Auslöser der Ketoazidose-Episoden identifizierten die Forschenden Infektionen. Als weitere Risikofaktoren nennen sie hohe HbA1c-Werte, einen niedrigen Body-Mass-Index, Mangelernährung sowie zurückliegende Ketoazidose- oder Hypoglykämie-Episoden bei den Betroffenen. Die Studie wurde im September 2026 in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht. Bedeutung: Die Daten liefern eine differenziertere Grundlage für die Risikoeinschätzung bei SGLT2-Hemmern, einer der meistverordneten Wirkstoffklassen bei Typ-2-Diabetes, und zeigen, dass erhöhte Wachsamkeit gegenüber Ketoazidose-Symptomen nicht nur in der Anfangsphase der Therapie, sondern über die gesamte Behandlungsdauer angezeigt ist.
Medizin & Forschung allgemein
Navigations-App führt blinde Menschen ähnlich zuverlässig wie ein menschlicher Begleiter
📅 2026-09-09 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Ein Forschungsteam der Harvard University um Erstautor Raymond Liu hat eine Navigations-App für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt und getestet. Vorab befragten die Forschenden 112 Menschen mit Blindheit oder mittelgradiger bis schwerer Sehbehinderung, welche Funktionen ihnen am wichtigsten sind: Genannt wurden vor allem zuverlässige Abbiegehinweise, eine kontinuierliche Führung entlang von Fußwegen sowie das Erkennen und Umgehen von Hindernissen. In anschließenden Tests im Freien navigierte die App die Studienteilnehmenden nach Angaben der Forschenden ähnlich zuverlässig wie ein menschlicher Begleiter. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Biomedical Engineering veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41551-026-01772-x). Bedeutung: Die Studie deutet darauf hin, dass App-gestützte Navigation im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen eine praktikable Ergänzung oder Alternative zu menschlicher Begleitung sein könnte.
Lipoprotein(a)-Senker Pelacarsen schützt nicht vor Herz-Kreislauf-Ereignissen
📅 2026-09-09 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Der Basler Pharmakonzern Novartis hat Ergebnisse der ersten von drei laufenden Phase-3-Studien zum Wirkstoff Pelacarsen bekanntgegeben, einem Antisense-Oligonukleotid, das erhöhte Lipoprotein(a)-Werte senken soll. An der Studie mit dem Namen HORIZON nahmen mehr als 8.000 Menschen teil. Obwohl Pelacarsen in früheren Untersuchungen die Lipoprotein(a)-Werte deutlich gesenkt hatte, zeigte sich in dieser Studie kein Schutzeffekt vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Therapieansatz, über eine Senkung von Lipoprotein(a) kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern, gilt damit vorerst als gescheitert; Ergebnisse der beiden noch laufenden Phase-3-Studien zu Pelacarsen stehen weiterhin aus. Bedeutung: Der Befund dämpft die Hoffnungen auf einen neuen Therapieansatz gegen ein bislang kaum behandelbares kardiovaskuläres Risiko und zeigt, dass eine reine Senkung des Lp(a)-Werts allein nicht automatisch vor Folgeereignissen schützt.
Augenscreening bei dm: Gericht soll über Gesundheitsgefahren entscheiden
📅 2026-09-09 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Vor dem Landgericht Karlsruhe läuft ein Rechtsstreit um das Augenscreening-Angebot der Drogeriemarktkette dm: Die klagende Wettbewerbszentrale strebt ein Gerichtsurteil an, nachdem eine gütliche Einigung nur beim Vorwurf irreführender Werbung im Raum stand. Dm bietet in seinen Filialen für 14,95 Euro ein KI-gestütztes Augenscreening zur Glaukom-Früherkennung an, das von dm-Mitarbeitenden statt von Ärzten durchgeführt wird; die Wettbewerbszentrale sieht darin ein Risiko für die Einhaltung medizinischer Standards. Nach Angaben aus dem Verfahren werden monatlich rund 3.000 Screenings durchgeführt, bei täglich etwa 40 Teilnehmenden ergeben sich Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. Der Vorsitzende Richter deutete an, dass das Angebot zulässig sein könnte, sofern von ihm keine tatsächliche Gesundheitsgefahr ausgeht – bloße Hinweise darauf reichten nicht aus. Ein Urteil des Landgerichts Karlsruhe wird für den 26. November 2026 erwartet, ein weiteres Verfahren zum gleichen Thema ist für November vor dem Landgericht Düsseldorf angesetzt. Dm plant unterdessen, das Angebot auf 30 Filialen auszuweiten und um Herz-Kreislauf-Checks zu erweitern. Bedeutung: Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf, wie weit kommerzielle Gesundheits-Screenings durch nicht-ärztliches Personal reichen dürfen und wo die Grenze zur Werbung mit Gesundheitsversprechen verläuft.