Diabetes-News
Experten empfehlen systematisches Typ-1-Diabetes-Screening ab dem Kleinkindalter
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Gesundheitsportal
Ein internationales Konsensuspapier unter Federführung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz Zentrum München, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Diabetologia, empfiehlt ein systematisches, altersgestaffeltes Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes. Vorgesehen sind drei Untersuchungszeitpunkte: ein erstes Screening im Alter von zwei bis vier Jahren, ein zweites mit sechs bis acht Jahren und ein drittes mit zehn bis fünfzehn Jahren. Die Diagnose soll zweistufig erfolgen, zunächst über einen sensitiven Screeningtest, bei auffälligem Ergebnis anschließend über hochspezifische Second-Line-Tests anhand einer zweiten Blutprobe. Hintergrund ist, dass laut den Autoren mehr als 85 Prozent der Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes keine familiäre Vorbelastung haben, ein reines Risikogruppen-Screening also die meisten Fälle übersehen würde. Ziel der frühen Erkennung ist es, das Risiko einer diabetischen Ketoazidose bei Erstdiagnose zu senken, einen milderen Krankheitsverlauf zu ermöglichen, frühzeitig eine ambulante Insulinbehandlung einzuleiten und Familien psychologisch auf die Diagnose vorzubereiten. Perspektivisch soll ein solches Screening betroffenen Kindern auch Zugang zu krankheitsmodifizierenden Therapien eröffnen, die den Ausbruch der Erkrankung verzögern können.
Diabetes-Care-Redakteure boykottieren American Diabetes Association
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: STAT News
Vier Redakteure der Fachzeitschrift Diabetes Care der American Diabetes Association (ADA) – Chefredakteur Steven Kahn sowie Cheryl Anderson von der UC San Diego, John Buse von der University of North Carolina und Elizabeth Selvin von Johns Hopkins – haben angekündigt, keine weiteren Manuskripte für die Zeitschrift mehr zu begutachten. Der Schritt ist Teil eines öffentlich gemachten Boykotts gegen die ADA-Führung. Auslöser war ein Vorfall im Juni, bei dem fünf ADA-Mitglieder, darunter Kahn, von der Jahrestagung Scientific Sessions in New Orleans verwiesen wurden, weil sie dort Kopien eines Diabetes-Care-Editorials zu Kürzungen der föderalen Forschungsförderung verteilt hatten. Kahn bezeichnete die Aktion als einen Streik gegen einen Großkonzern und wirft der ADA-Führung vor, sich wie ein Unternehmensvorstand statt wie die Vertretung einer Mitgliederorganisation zu verhalten. Die ADA erklärte als Reaktion, sie bleibe ihrem Auftrag verpflichtet. Der Konflikt trifft die weltweit einflussreichste diabetologische Fachgesellschaft in einer Phase, in der ihre wissenschaftliche Reputation und ihre Rolle als unabhängige Stimme in der Forschungsförderung öffentlich infrage gestellt werden.
Medizin & Forschung allgemein
Fachgesellschaften fordern Maßnahmen gegen hohe Sepsissterblichkeit in Deutschland
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Die Sepsis-Stiftung Deutschland geht von mindestens 140.000 sepsisbedingten Todesfällen pro Jahr in Deutschland aus, womit Sepsis zu den häufigsten Todesursachen im Land zählt. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland auffällig schlecht ab: Zwischen 1990 und 2019 stieg die sepsisbezogene Sterblichkeit hierzulande um 10,1 Prozent, während sie in Norwegen um 26,7 Prozent und in Finnland um 21,1 Prozent zurückging. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und weitere Fachgesellschaften fordern deshalb mehr öffentliche Aufklärung über Warnsignale einer Sepsis, vergleichbar mit bestehenden Kampagnen zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Als zentrales Problem gilt, dass eine Sepsis im Klinikalltag viel zu selten überhaupt in Betracht gezogen wird; gefordert werden deshalb verlässlichere Krankenhausprozesse zur früheren Erkennung und Behandlung sowie eine systematische Nachsorge für Überlebende. Als technische Unterstützung werden bereits KI-Tools erprobt, etwa das Ampel-Projekt der Universität Leipzig, das sepsistypische Muster automatisch in Patientendaten erkennen soll. Ein neues, für alle stationären Leistungserbringer verpflichtendes Qualitätssicherungsverfahren namens QS Sepsis soll ab Herbst 2027 erste Ergebnisse liefern.
Orexin-Agonist Oveporexton lindert Symptome bei Narkolepsie Typ 1
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Der Orexin-Agonist Oveporexton hat in zwei Phase-3-Studien die Symptome von Menschen mit Narkolepsie Typ 1 deutlich gelindert, wie im New England Journal of Medicine veröffentlichte Ergebnisse zeigen. Oveporexton stimuliert die Orexin-Rezeptoren 1 und 2 im Gehirn, die normalerweise die Schlaf-Wach-Regulation steuern. Narkolepsie Typ 1 entsteht vermutlich durch eine autoimmune Zerstörung der orexinproduzierenden Neuronen im Hypothalamus, wobei autoreaktive T-Zellen statt Antikörper als Auslöser gelten. Konkrete Teilnehmerzahlen oder quantitative Wirksamkeitsdaten aus den beiden Studien nennt der verfügbare Bericht nicht, dieser Punkt bleibt also unbelegt. Das Mittel ist bereits in den USA zugelassen, mit einer Zulassung in Europa wird laut Bericht fest gerechnet.
Studie untersucht mögliche Verbindung zwischen Helicobacter pylori und Darmkrebs
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Eine im Fachjournal eGastroenterology veröffentlichte Auswertung untersucht, ob das Magenbakterium Helicobacter pylori, das bereits als weltweit wichtigster Auslöser von Magenkrebs gilt und von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserregend eingestuft ist, auch an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sein könnte. Die Autoren werteten die bisherige Evidenzlage aus und modellierten, welcher Anteil der globalen und regionalen Darmkrebsfälle mit einer H.-pylori-Infektion in Verbindung stehen könnte. Die konkreten Modellierungsergebnisse für Darmkrebs selbst nennt der frei zugängliche Teil des Berichts nicht, der Volltext liegt hinter einer Bezahlschranke, dieser Befund bleibt also vage und unbelegt. Als Vergleichswert wird lediglich angeführt, dass H. pylori Schätzungen zufolge für 75 bis 89 Prozent aller Magenkrebserkrankungen verantwortlich sein könnte. Die praktische Bedeutung für Vorsorge oder Behandlung von Darmkrebs bleibt in der verfügbaren Berichterstattung offen.
LONESTAR-Studie: Konsolidierende Therapie bringt Lungenkrebspatienten keinen Überlebensvorteil
📅 2026-09-12 | 🔗 Quelle: ad-hoc-news
Die Phase-III-Studie LONESTAR zu fortgeschrittenem, metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs hat keinen Überlebensvorteil einer zusätzlichen lokalen konsolidierenden Therapie nach dualer Immuntherapie gezeigt. Untersucht wurde, ob Patienten, die zwölf Wochen lang mit den Immuntherapeutika Nivolumab und Ipilimumab behandelt wurden, von einer anschließenden lokalen Konsolidierungstherapie profitieren. Das mediane Gesamtüberleben unterschied sich mit 52,8 gegenüber 43,2 Monaten nicht statistisch signifikant zwischen den Gruppen, auch beim progressionsfreien Überleben von 24,3 gegenüber 31,3 Monaten zeigte sich kein signifikanter Vorteil. Zudem trat eine Pneumonitis im Behandlungsarm mit der zusätzlichen Konsolidierungstherapie häufiger auf. Die Studie wurde nach 166 von geplanten 216 Patienten vorzeitig beendet. Die Ergebnisse wurden auf der IASLC-Weltkonferenz zu Lungenkrebs in Seoul vorgestellt, die Autoren raten auf dieser Basis von einem routinemäßigen Einsatz der konsolidierenden Therapie außerhalb klinischer Studien ab.
Bundesgesundheitsminister kündigt Expertenkommission für Pflegereform an
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will eine unabhängig besetzte Expertenkommission einsetzen, die das deutsche Pflegesystem grundlegend überprüfen und im kommenden Jahr eine strukturelle Pflegereform ermöglichen soll, nach dem Vorbild der Kommission zur Krankenversicherung. Linnemann begründet den Schritt mit der finanziellen Schieflage der Pflegeversicherung: Aktuell werden jährlich rund 75 Milliarden Euro für Pflege ausgegeben, wovon bereits zehn Prozent eingespart werden müssten, während die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 auf 7,5 Millionen steigen soll. Ohne grundlegenden Umbau werde das System in den Dreißigerjahren kollabieren, so Linnemann. Einen Finanzausgleich der privaten zugunsten der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung lehnt er unter Verweis auf verfassungsrechtliche Bedenken ab. Ein Kabinettsbeschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz ist noch im September geplant, wobei ursprünglich vorgesehene Kürzungen bei den Renteneinzahlungen für pflegende Angehörige wieder herausgenommen werden sollen; ohne weitere Sparmaßnahmen fehlten 2027 rund acht Milliarden Euro. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Ankündigung einer weiteren Kommission als Zeitverschwendung, solange der aktuelle Gesetzentwurf noch nicht einmal verabschiedet sei.