Diabetes-News
Diabetes-Forscher boykottieren American Diabetes Association
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: STAT News
Mitglieder und ehemalige Präsidenten der American Diabetes Association (ADA) haben einen Boykott der eigenen Fachgesellschaft gestartet. Auslöser war ein Vorfall bei den ADA Scientific Sessions im Juni 2026 in New Orleans, bei dem fünf Wissenschaftler von der Konferenz verwiesen wurden - darunter Steven Kahn, Chefredakteur des ADA-Fachjournals Diabetes Care, sowie Cheryl Anderson von der UC San Diego, John Buse von der University of North Carolina und Elizabeth Selvin von der Johns Hopkins University. Die als 'New Orleans Five' bekannt gewordenen Forschenden waren des Konferenzgeländes verwiesen worden, weil sie ein Editorial aus Diabetes Care über Kürzungen der US-Bundesforschungsförderung verteilt hatten. Eine anschließende interne Überprüfung des Vorfalls durch die ADA-Führung stufen die Kritiker als unzureichend ein. Am 10. September 2026 veröffentlichte der Harvard-Diabetologe David Nathan deshalb einen Boykottaufruf als Petition auf Change.org, die innerhalb kurzer Zeit hunderte Unterschriften erhielt, darunter von früheren ADA-Präsidenten und Preisträgern der Fachgesellschaft. Die Unterzeichner kündigten an, die Begutachtung neuer Manuskripte und Förderanträge für die ADA sowie die Teilnahme an von der ADA-Führung geleiteten Treffen auszusetzen, bis der Vorstand einer unabhängigen, extern geleiteten Überprüfung der Organisationsstruktur zustimmt. Vier Redakteure von Diabetes Care erklärten bereits, vorerst keine Manuskripte mehr zu begutachten. Kahn bezeichnete die Aktion gegenüber STAT News als 'einen Streik gegen einen großen Konzern' und warf der ADA-Führung vor, sich wie der Vorstand eines Unternehmens statt wie die Leitung einer Mitgliederorganisation zu verhalten.
Medizin & Forschung allgemein
Deutschland verfehlt Fortschritte bei Sepsissterblichkeit
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September 2026 verweist das Deutsche Ärzteblatt auf die anhaltend hohe Sepsissterblichkeit in Deutschland. Nach Angaben der Sepsis-Stiftung Deutschland sterben hierzulande mindestens 140.000 Menschen pro Jahr an einer Sepsis. Zwischen 1990 und 2019 stieg die sepsisbezogene Mortalität in Deutschland um 10,1 Prozent, während sie im selben Zeitraum in Norwegen um 26,7 Prozent und in Finnland um 21,1 Prozent zurückging. Als Hauptursachen für die schlechtere deutsche Entwicklung gelten mangelndes Bewusstsein bei Betroffenen wie beim Fachpersonal sowie eine zu späte Erkennung und Behandlung. DGCH-Präsident Jens Werner verwies auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Mustererkennung, etwa im 'Ampel-Projekt' des Universitätsklinikums Leipzig zur automatisierten Risikobewertung von Patienten. DGAI-Vertreter Thorsten Brenner forderte, das bei Herzinfarkt und Schlaganfall etablierte Bewusstsein für schnelles Handeln auch auf die Sepsis zu übertragen. Mit dem neuen Qualitätssicherungsverfahren 'QS Sepsis' sollen ab Herbst 2027 erste verlässliche Daten zur Versorgungsqualität vorliegen; zusätzlich gilt eine bessere Koordination zwischen Intensivmedizin und Weiterbehandlung als notwendig, um Langzeitfolgen bei Sepsis-Überlebenden künftig besser aufzufangen.
Neuer Orexin-Agonist wirkt gegen Narkolepsie Typ 1
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
In zwei Phase-3-Studien hat der Orexin-Agonist Oveporexton die Symptome von Menschen mit Narkolepsie Typ 1 deutlich gelindert, wie eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte, in Cambridge durchgeführte Untersuchung zeigt (DOI: 10.1056/NEJMoa2601598). Narkolepsie Typ 1 entsteht durch den Ausfall orexin-produzierender Neurone im Hypothalamus, vermutlich verursacht durch autoreaktive T-Zellen statt durch Antikörper. Diese Neurone steuern über die Rezeptoren Orexin-1 und Orexin-2 den Schlaf-Wach-Rhythmus; fällt ihre Funktion aus, entstehen die für die Erkrankung charakteristische Tagesschläfrigkeit und Kataplexie. Oveporexton hat in den USA bereits eine Zulassung durch die FDA erhalten, eine europäische Zulassung wird noch erwartet. Die Studie gilt als bedeutender Fortschritt, weil das Medikament erstmals direkt am zugrundeliegenden Botenstoffmangel ansetzt, statt nur die Symptome zu behandeln.
Studie untersucht Zusammenhang von Helicobacter pylori und Darmkrebs
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Eine neue Studie in der Fachzeitschrift eGastroenterology (DOI: 10.1136/egastro-2026-100436) untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Magenbakterium Helicobacter pylori und Darmkrebserkrankungen. Das 1983 entdeckte Bakterium gilt bereits als Hauptverursacher von Magenkrebs: Die International Agency for Research on Cancer stuft es als krebserregend für den Menschen ein, Schätzungen zufolge ist H. pylori für 75 bis 89 Prozent aller Magenkrebsfälle verantwortlich. Die neue Auswertung modelliert erstmals, welcher Anteil der globalen und regionalen Darmkrebsfälle möglicherweise ebenfalls mit einer H.-pylori-Infektion in Verbindung steht, indem sie die bisherige wissenschaftliche Evidenz systematisch zusammenführt. Sollte sich der Zusammenhang erhärten, könnte dies Konsequenzen für Screening- und Präventionsstrategien bei Darmkrebs haben, da H.-pylori-Infektionen bereits heute mit Antibiotika behandelbar sind.
Gesundheitsminister Linnemann kündigt Expertenkommission für Pflegereform an
📅 2026-09-11 | 🔗 Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Einsetzung einer Expertenkommission angekündigt, die das deutsche Pflegesystem grundlegend überprüfen soll - nach eigenen Worten 'ähnlich wie die Kommission zur Krankenversicherung'. Hintergrund sind die Finanzen der Pflegeversicherung: Bei jährlichen Ausgaben von rund 75 Milliarden Euro hält Linnemann Einsparungen von mindestens 10 Prozent für nötig, andernfalls drohe 2027 ein Fehlbetrag von rund 8 Milliarden Euro. Bis 2050 wird zudem ein Anstieg der Zahl Pflegebedürftiger auf 7,5 Millionen Menschen erwartet; ohne strukturellen Umbau werde das System laut Linnemann 'in den Dreißigerjahren kollabieren'. Der Minister bestätigte die Umsetzung des von seiner Vorgängerin Nina Warken (CDU) auf den Weg gebrachten Pflegeneuordnungsgesetzes und kündigte an, ursprünglich geplante Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige wieder zu streichen; ein Kabinettsbeschluss war für September 2026 vorgesehen, um die Beitragsstabilität 2027 zu sichern. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther begrüßte Linnemanns Ablehnung von Finanztransfers zwischen privater und sozialer Pflegepflichtversicherung, während AGVP-Präsident Thomas Greiner forderte, die Kommission solle 'keine Luftschlösser bauen, sondern den Bau und Betrieb von Pflegeheimen erleichtern'. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte den Vorstoß scharf und warnte, die Kommission koste 'wertvolle Zeit', obwohl der aktuelle Gesetzentwurf noch nicht einmal verabschiedet sei.